„Big Brother is watching you“ – Medienkompetenz für Eltern

Internetpolizist Tom Weinert informiert Eltern über die Gefahren des Internets

Medienkompetenz: dringend erforderlich, selten vermittelt. Die Kinder und Jugendlichen nutzen wie selbstverständlich ihre Smartphones, wissen aber im Grunde gar nicht, was das alles bedeutet. Woher auch? Ihre Eltern gehören nicht der Generation der „digital natives“ an und sind mit den Risiken des Netzes oft selbst überfordert. Also muss die Schule ran. Auf Anregung von Schülereltern nahm die Grund- und Mittelschule Kontakt mit dem Münchener Polizeibeamten Tom Weinert auf. Mit finanzieller Unterstützung durch den Elternbeirat der Schule konnte der Referenten nun nach Bad Griesbach eingeladen werden.

„Hi, ich bin Anja, 12 Jahre alt. Mein Hobby ist Reiten, meine Lieblingsfarbe ist Rot und Justin Bieber finde ich geil.“ Mit diesen Worten begrüßte der ausgebildete Polizist und jetzige Sachbearbeiter im Bereich „Neue Medien und Internetkriminalität“, Tom Weinert, die über 100 anwesenden Eltern und Lehrer der Grund- und Mittelschule Bad Griesbach zu seinem Vortrag über moderne Medien. In diesem ging es ihm nicht darum, Verbote aufzustellen, sondern er wollte den Erwachsenen auf humorvolle Weise Botschaften für einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen senden. Da er sich seit vier Jahren intensiv mit Computer, Internet, Playstation und Co. beschäftigt, konnte er die Gefahren und Maschen von Social-Media und App-Anbietern anhand realer Beispiele deutlich machen.

Big Brother is watching you

So stieg er gleich mit der Frage ein, wer einen Facebook-Account habe und was dafür zu zahlen sei. Auf provokante Weise stellte er den Erfinder von Facebook, Mark Zuckerberg, als barmherzigen und von Nächstenliebe umgebenen Mann dar, der Facebook jedem Nutzer kostenlos zur Verfügung stelle. „Aber“, so schärfte er den Eltern ein, „wenn etwas kostenlos ist, bezahlt man dafür immer mit der Preisgabe von Informationen in Form von eigenen Daten: So weiß Facebook, wann der Nutzer eingeloggt ist und für wie lange, wen man zu seinem Freundeskreis zählt, welche Aufenthaltsorte man bevorzugt und wann man Nachrichten liest und verschickt.“ Zudem sei es anhand von Schlagworten aus den Nachrichten möglich, Urlaubsvorlieben, berufliche und private Aktivitäten und mehr zu ermitteln. Ausspioniert werde der Nutzer aber nicht nur durch soziale Medien, sondern auch durch sehr viele auf dem Smartphone installierte Apps, sagte Weinert. Aus diesem Grund solle man Apps, die nicht gebraucht werden, unbedingt deinstallieren. Beschweren dürfe sich nämlich kein Nutzer darüber, dass er ausspioniert werde, denn in den AGBs werde darauf hingewiesen. Erfahrungsgemäß gehe aber jeder Einzelne damit viel zu sorglos um, indem er den Satz „Ich habe die AGB´s gelesen und stimme zu.“ einfach bestätige.

Sicheres Passwort ist wichtig

Dann nahm Tom Weinert das Handy einer Mutter zur Hand: „Wem gehört dieses Handy“, fragte er in das Smartphone. „Das Handy gehört Maria“, antwortete die Computerstimme. „Siri“, die ins Handy eingebaute Sprachassistentin, gab bereitwillig Auskunft über gespeicherte Termine und Kontakte. Und das, ohne dass der Polizist das Gerät mit einem Kennwort entsperren musste. Es war ein Beispiel dafür, wie viel die richtigen Datenschutzeinstellungen ausmachen.

„Sichert die Handys und die Social-Media-Profile mit einem sicheren Passwort und vor allem, behaltet dieses für euch!“, rief er den Erziehungsberechtigten und Lehrern zu. Denn meistens sind es nicht Hacker, die sich Zugriff zu gespeicherten Daten verschaffen, sondern das engere Umfeld. Hat man zum Beispiel seiner besten Freundin sein Passwort verraten, geht dann aber im Streit auseinander, kann es durchaus sein, dass diese die eigenen Fotos oder Textnachrichten an andere verschickt und einen dadurch bloßstellt.

Daten sind ein Schatz

Wichtig war dem Polizisten auch, das Thema Selfies anzusprechen: „Wer kennt das nicht? Ein Gruppenfoto wird gemacht und sofort auf Snapchat, Instagram, WhatsApp oder ähnlichem hochgeladen. Aber darf man das überhaupt?“ Eindringlich machte Tom Weinert deutlich, wer auf einem Bild zu sehen ist, muss vorher gefragt werden, ob er mit der Veröffentlichung einverstanden ist. Ansonsten begeht derjenige, der das Foto verbreitet eine Straftat.

Genauso gefährlich sei es, wenn Jugendliche von sich selbst Nacktbilder verschicken, auf Neudeutsch „sexting“ genannt. Erstens: Ist man unter 13 Jahre alt, macht sich der Empfänger der Bilder wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials schuldig. Zweitens: Gelangen die Fotos in die falschen Hände, können sie leicht überall verbreitet werden. „Da sind dann viele Mädchen schon so schlimm gemobbt worden, dass sie sogar die Schule verlassen haben.“

Cyber-Grooming

„Kinder und Jugendliche können in Chats und Foren leicht zu Opfern werden: Ältere geben sich ihnen gegenüber dort als gleichaltrig aus und versuchen so, ihr Vertrauen zu erschleichen. Dabei geht es nur darum, sexuellen Missbrauch vorzubereiten. „Cyber-Grooming“ nennt man das Phänomen“, erklärte Tom Weinert und gab den Erziehungsberechtigten Tipps, wie man seine Kinder schützen kann: Sobald sie ein schlechtes Bauchgefühl haben, sollten sich Kinder an ihre Eltern wenden – und die müssen dann dafür sorgen, dass, wenn nötig, die Polizei eingeschaltet wird. Und nach Weinerts Meinung sollten Eltern auch darauf achten, wo sich ihre Kinder im Internet aufhalten und auf welchen Seiten sie surfen. Ein Computer im Zimmer eines Zehn- oder Elfjährigen macht Kontrolle nach seinen Worten schwerer als der PC im Wohnzimmer. Weinert gab den Eltern eine Empfehlung für sichere Seiten für Kinder an die Hand.

Der kurzweilige Vortrag ging nach neunzig Minuten mit dem Appell von Tom Weinert zu Ende: „Apps wollen immer etwas von uns wissen, bewahrt euch deshalb eure persönlichen Daten – sie sind ein Schatz.“