Komasaufen ist nicht cool

„bunt statt blau“ heißt die Kampagne der DAK gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen – Ausstellungseröffnung

Da sind ziemlich viele Finger oben. „Wer hat von Euch schon mal AlkohoI getrunken?“, hat Hermann Amsl, Serviceleiter der DAK-Gesundheit Passau, die rund 50 Acht- und Neuntklässler der Grund- und Mittelschule Bad Griesbach gefragt. Etwa 14 bis 15 Jahre alt sind diese Schüler. Die meisten von ihnen haben schon mal Alkohol probiert, geben sie gerade zu. Erschreckend? Willkommen in der Realität. Deswegen geht es bei der DAK-Ausstellung „bunt statt blau“, die gestern Vormittag in Bad Griesbach eröffnet worden ist, auch nicht darum, den Jugendlichen Alkohol generell zu verbieten. Es geht darum, sie vorm Missbrauch zu bewahren. Komasaufen ist nicht cool – das soll in ihre Köpfe rein.

Wolfgang Zehetmair kippt einen Alkopop in eine Karaffe. Dazu schüttet der Rektor der Grund- und Mittelschule noch ein Bier. Und weil’s gar so schön ist, gibt’s noch einen Feigling drauf. „Diese Plörre habt ihr dann in Euch“, sagt er. Sieht zwar aus wie Apfelsaft, reicht aber für einen veritablen Rausch. Komatös wird man davon wahrscheinlich noch nicht, da müsste man noch etwas mehr schlucken.

Das tun Jugendliche auch hin und wieder. »Jede Woche landen im Landkreis Passau zwei Schüler oder Schülerinnen im Krankenhaus, weil sie sich einen Vollrausch angetrunken haben“, berichtet Hermann Amsl von der DAK. Im Monat sind es im Schnitt neun. Vollgekotzt von oben bis unten werden sie von Sanitätern aufgelesen, „neben den Babys schlafen sie dann in der Kinderklinik ihren Rausch aus“, erzählt er. „Ist das cool?“ Die Frage beantwortet er selbst: „Cool ist was anderes.“

Das tun Jugendliche auch hin und wieder. »Jede Woche landen im Landkreis Passau zwei Schüler oder Schülerinnen im Krankenhaus, weil sie sich einen Vollrausch angetrunken haben“, berichtet Hermann Amsl von der DAK. Im Monat sind es im Schnitt neun. Vollgekotzt von oben bis unten werden sie von Sanitätern aufgelesen, „neben den Babys schlafen sie dann in der Kinderklinik ihren Rausch aus“, erzählt er. „Ist das cool?“ Die Frage beantwortet er selbst: „Cool ist was anderes.“

Cool ist, wenn sich die Zielgruppe, an die sich die Kampagne „bunt statt blau“ richtet – die 14- bis 20-Jährigen – die Folgen des Komasaufens zu Herzen nimmt. »Ihr riskiert Dauerschäden am Gehirn und an den Nervenbahnen“, mahnt der Rektor.

Aber das sind Worte aus dem Mund eines Erwachsenen. Uncool irgendwie. Daher setzt die DAK-Kampagne auf die Stimme der Zielgruppe. Die Jugendlichen erarbeiten sich in dem Kunstprojekt kreativ, was Alkoholmissbrauch mit ihnen anstellt. Weg ist der moralinsaure Zeigefinger, weg sind die mahnenden Stimmen der Eltern. Hier sprechen Jugendliche zu Jugendlichen. In bunten Farben zeigen sie, wie fröhlich das Leben sein kann, wenn Alkohol nicht das Leben bestimmt. „Die Jugendlichen sind auf diesem Gebiet die besten Botschafter“, sagt Amsl, der gestern in Bad Griesbach diese Wanderausstellung eröffnet hat, die noch bis 29. März auch nachmittags in der Aula der Schule besucht werden kann.

„Cool sind auch die Freunde, die Euch nicht zum Saufen animieren, sondern die, die Euch davon abhalten“, appelliert der stellvertretende Landrat Raimund Kneidinger an die Schüler.

Kopfschüttelnd meint Bad Griesbachs Bürgermeister Jürgen Fundke, habe er die „vielen betrunkenen Jugendlichen bei den Faschingsumzügen“ bemerkt. „Mich hat das persönlich erschreckt.“

„Komasaufen ist kein Freizeitspaß“, sagt Gerhard Eichinger, Chef der Polizeiinspektion Bad Griesbach. „Die meisten kommen zwar wieder raus aus der Spirale, aber manche bleiben auch drin hängen.“ Und die machten sich ihr Leben kaputt – oft kämen Straftaten dazu, Körperverletzungen, Alkohol am Steuer. „Die Einsicht, dass sie sich falsch verhalten, geht verloren“, weiß er aus leidlicher Berufserfahrung. Am Ende drohen auch Gefängnisstrafen.

Katrin Freund vom Gesundheitsamt wünscht den Jugendlichen, dass sie „Wegbegleiter haben, die Euch zeigen, wie bunt das Leben sein kann“. Ohne Alkoholmissbrauch!

Passauer Neue Presse v. 20. März 2019

Die Idee, die Ausstellung an die Schule zu holen, hatte Lehrerin Katharina Uttenthaler. Sie stellte die Kontakte her, traf Absprachen und war verantwortlich für die Gesamtorganisation. Tatkräftige Unterstützung erhielt sie dabei von den Kolleginnen aus dem Bereich Hauswirtschaft, Sigrid Rammelsberger und Rebeka Lemberger, welche im Rahmen eines Projektes mit ihren Schülern für die kulinarische Komponente der Ausstellungseröffnung sorgten. Ein kaltes Buffet und nichtalkoholische Cocktails wurden dafür vorbereitet. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Lehrerinnen Eva Bauer und Ina Kusser mit ihren Schülerinnen und Schülern.

Lehrerin Katharina Uttenthaler (3. v.r.) zusammen mit den Schülerinnen und Schülern ihrer Klasse.

By |2019-03-24T07:27:07+00:00März 24th, 2019|Uncategorized|0 Comments