In der Mittelschule Bad Griesbach dürfen Stabschrecken, wandelnde Blätter und Bienen den Unterricht mitgestalten.

In der Klasse 5a beginnt der Unterrichtsvormittag mit einem täglichen Ritual.  Ein Mitschüler öffnet das Terrarium und besprüht vorsichtig die darin wohnenden Insekten. Zwei wandelnde Blätter und zehn Stabschrecken teilen sich den Platz in dem bruchsicheren Glaskasten. Beide Gattungen gehören zur Familie der Gespenstschrecken und sind natürlich Exoten. Einmal in der Woche ist große Fütterung angesagt. Das geräumige Terrarium wird gereinigt und mit frischen Himbeer- und Brombeerzweigen bestückt. Diese verantwortungsvolle Aufgabe erledigen die Schüler selbstständig und mit großer Begeisterung. Die Klassenlehrerin M. Pauker-Bangerl hatte am Anfang des Schuljahres die Idee, die Tiere mit ins Klassenzimmer zu bringen. Die Schüler können so die Entwicklung der Tiere gut beobachten. Die anfängliche Scheue vor den achtbeinigen Insekten verschwand schnell. Interessiert und fasziniert wurden die Tierchen, die im Blätterlaub die perfekte Tarnung beherrschen, gesucht und betrachtet. Einige bekamen sogar ganz liebevolle Spitznamen. In den Pausen dürfen die Stabschrecken hin und wieder „Frischluft schnuppern“. Dabei werden sie ganz vorsichtig aus dem Terrarium genommen und dürfen auf den Handrücken der Schulkinder ganz aus der Nähe betrachtet werden.  Da es sich hier um nicht einheimische Tiere handelt – sie leben in den Tropen –  war es naheliegend, dass sich die Klasse auch einheimische Insekten mal ganz genau unter die Lupe nimmt. Hierzu wurde der Imker Erwin Weinberger aus Karpfham in die Schule eingeladen. Dieser erklärte den aufmerksamen Fünftklässlern genau, wie nun so ein Bienenvolk arbeitet, um Honig zu produzieren und um ihr Volk zu erhalten.  Ohne diese heimischen Bienen würde unsere Gemüse- und Obsternte extrem gering ausfallen. Bevor man sich als Imker einem Bienenstock nähert, sollte man ein paar Schutzvorkehrungen treffen. Um dies zu demonstrieren durfte ein Schüler in einen Imkeranzug samt Schleier und Handschuhen schlüpfen. Nach so viel Theorie war natürlich Praxis gefragt. In Kleingruppen konnten die Schüler in einem eigens für gefahrlose Beobachtungen gebauten Schaukasten direkt in das Innenleben eines Bienenvolkes schauen. Dabei wurde die Königin samt Arbeitsbienen und Drohnen genau beobachtet. Den krönenden süßen Abschluss dieser Unterrichtsexkursion bildete die Verkostung eines ganzen Glases cremig gerührten Blütenhonig frisch vom Imker. Das Bewusstsein, dass Insekten für unseren Naturkreislauf lebensnotwendig sind, konnte hier den aufmerksamen Mittelschülern eindrucksvoll vermittelt werden.

M. Pauker-Bangerl