Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!

Was man vom Fußball über das Leben lernen kann. Alle Schüler haben einen Abschluss in der Tasche!

Schon wieder eine Abschlussfeier unter Pandemieeinschränkungen und ohne externe Gäste. Aber „corona-erfahren“ gestaltete die Mittelschule Bad Griesbach ihre Zeugnisübergabe in einem familiär vertrauten und würdigen Rahmen. In zwei aufeinanderfolgenden Abschlussfeiern nahmen die Schülerinnen und Schüler der beiden Abschlussklassen M10 und 9a ihre Zeugnisse in Empfang. Kein Schüler verlässt die Mittelschule ohne einen Abschluss. Im Mittlere-Reife-Zug konnten sich alle 21 angetretenen Schüler über das Erreichen des mittleren Bildungsabschlusses freuen. In der Regelklasse 9a schafften 10 von insgesamt 17 Abschlussschülern den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, alle anderen erhielten das Zeugnis über den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule.

Nach der offiziellen Begrüßung durch den Schulleiter trat zunächst Bürgermeister Jürgen Fundke ans Mikrofon, um zu den Schülerinnen und Schüler der 9a zu sprechen. „Zum zweiten Mal findet ein Abschluss im Zuge der Coronapandemie statt, sozusagen ein Abschluss 2.0“, begann der Bürgermeister. Es sei ein großer Kraftakt für die Absolventen gewesen unter diesen Bedingungen zu lernen und sich dann den Abschlussprüfungen zu stellen. Aber mit viel Eifer und Fleiß habe man seine Ziele erreicht. „Ich bedanke mich beim gesamten Kollegium der Schule und bei den Eltern für die gezeigte Flexibilität, um diese Krise zu bewältigen“, so das Stadtoberhaupt weiter. Für die Zukunft hoffe er auf baldige Rückkehr zur Normalität in allen Lebensbereichen.

Ähnlich äußerte sich 2. Bürgermeister Georg Greil in der Abschlussfeier für die Schüler des Mittlere-Reife-Zuges. Ganz besonders freute er sich darüber, dass alle Absolventen der 10. Klasse ihren Abschluss geschafft haben.

Am Beispiel der kürzlich stattgefundenen Fußballeuropameisterschaft erläuterte Rektor Wolfgang Zehetmair für beide Klassen, welche allgemeingültigen Ratschläge man für das weitere Leben mitnehmen kann. „Nachdem Spiel ist vor dem Spiel“ dieser Spruch des ersten Weltmeistertrainers von 1954, Sepp Herberger, trifft auch ganz aktuell auf die Abschlussschülerinnen und -schüler zu, sagte der Schulleiter. „Das jetzige Spiel, die Schule ist nun abgeschlossen“, so der Rektor weiter. Jetzt kämen neue Spiele auf sie zu: die Lehre, Partnerschaft, Geld verdienen, Wohnung suchen, usw. „Was ihr heute erreicht habt, das gilt nur für heute. Morgen müsst ihr euch wieder neu anstrengen. Das nächste Spiel ist immer das schwerste!“, erklärte Zehetmair ganz im Sinne eines Fußballtrainers.

Anhand des Turnierverlaufs der Fußballnationalmannschaft zeigte der Schulleiter auf, dass auch das Leben ein ständiges Auf und Ab sei. Aus dem Spiel gegen Frankreich zog er den Schluss, dass man auch nach guter Leistung am Ende eine Niederlage verkraften muss. Im Leben gibt es aber auch viele Tage, an denen es richtig gut läuft und man die verdiente Belohnung bekommt, ganz so wie beim Sieg gegen Portugal. Der zweimalige Rückstand gegen die Ungarn steht für den Rektor dafür, dass man Rückschläge im Leben verkraften und kämpfen muss, um seine Ziele zu erreichen. „Denk aber auch immer daran, manchmal wirst auch du verlieren“, mahnte Zehetmair in Anspielung auf die Niederlage gegen England. Dann dürfe man aber den Kopf nicht hängen lassen und resignieren – nein, man müsse positiv in die Zukunft blicken, so der Pädagoge.

Das Schönste am Fußball sei aber, dass er für alle offen ist und viele Menschen begeistert, egal ob arm oder reich, egal welcher Religion und Nationalität die Menschen angehörten. Der Schulleiter wünschte den Abschlussschülern zum Ende seiner Rede Offenheit und Aufgeschlossenheit für ihren zukünftigen Lebensweg.

Für den Elternbeirat sprach die 1. Vorsitzende, Tanja Wallner, zu den Anwesenden. Auch Sie nahm das Thema Fußball in ihrer Rede mit auf. „Am Anfang wart ihr noch kein Team. Es gab die Stürmer, die Abwehr- und Mittelfeldspieler, den Torwart. Erst eure Trainer, also die Lehrer, zeigten euch eure Stärken auf und formten eine Mannschaft aus euch“, so die Vorsitzende. Heute sei aber der Tag, wo man diese gewachsene Mannschaft wieder verlassen müsse und sich in ein neues Team integrieren muss, sagte Wallner weiter. Bei der Abschlussfeier der M10 erklärte sie, dass dies heute auch ein ganz emotionaler Tag für sie sei. Zum einen stehe sie hier als Mutter deren Sohne heute entlassen wird, gleichzeitig sei dies aber auch ihr letzter offizieller Einsatz als Vorsitzende des Elternbeirates.

Für Josef Kitzlinger, Klassleiter der 9a, war der Song „Erinnerung“ von Clueso ausschlaggebend, sich zu fragen, was wohl hängen bleibt von der Schulzeit? Ihm werden die Unterrichtsstunden, Wandertage, Sportfeste, Schulfeste, Schülerfahrten, Praktika und die leider entfallene Abschlussfahrt in Erinnerung bleiben. „Aber natürlich auch die kleinen Späße und Marotten von jedem von euch“, so der Klassenlehrer, der für jeden seiner Schüler ein passendes Beispiel parat hatte, an das er sich bestimmt erinnern werde.

„Jetzt habt ihr einen wichtigen Schritt in eurem Leben hinter euch gebracht und euch eine winzige Verschnaufpause verdient, bis ihr eure nächsten großen Lebensschritte beginnt“, so Kitzlinger an seine Schüler gerichtet. „In der Schule habt ihr nur einen kleinen Schubs für eure Zukunft erhalten. Was ihr nun daraus macht, liegt in euren Händen.“

Von 2 x 39 Schulwochen verliefen nur 23 im gewohnten Rhythmus, stellte die Klassenlehrerin der M10, Ursula Hein, fest. 23 Wochen seien nicht mal ein Drittel der letzten beiden Schuljahre gewesen, resümierte Hein. Nach Beendigung des ersten Lockdowns Ende April 2020 durften die Schülerinnen und Schüler zunächst nur im Wechselunterricht mit 4 Unterrichtsstunden pro Tag beschult werden. Das neue Schuljahr sei dann normal gestartet, rief Hein in Erinnerung. Doch schon im Dezember musste man wiederum für 10 Wochen in den Lockdown. Distanzunterricht mit Videokonferenzen waren angesagt. Gerade aus dieser Zeit hatte die Lehrerin für ihre Schüler ein paar humorvolle Anekdoten vorbereitet. „In den schriftlichen Prüfungen“, so Hein, „wurde den Schülern nichts geschenkt.“ Deshalb sei sie besonders auf die erbrachten Leistungen ihrer Schüler stolz.

Für die Absolventen sprachen im Anschluss die Schülersprecher der beiden Klassen. Nico Rieder, Klasse 9a, resümierte über die Highlights der vergangenen zwei Schuljahre. Traurig zeigte auch er sich über die ausgefallene Abschlussfahrt. Natürlich durften auch ein paar lustige Seitenhiebe auf die Lehrer nicht fehlen. Am Ende bedankte er sich im Namen seiner Klassenkameraden bei der gesamten Schulfamilie und natürlich ganz besonders bei den in der Klasse unterrichtenden Lehrkräften. Für den Klassenlehrer gab es zum Schluss noch ein kleines Abschiedsgeschenk. Für die Klasse M10 bedankten sich Nadine Denk und Jakob Weiß bei den Lehrerinnen und Lehrern der Schule. Ein besonderer Dank ging an die Klassenlehrerin Ursula Hein. In ihrer Ansprache betonten sie, dass den Schülern gerade Homeschooling zu schaffen machte, weil der persönliche Kontakt zu den Mitschülern und Lehrern nicht gegeben war. Am Ende seien alle wieder froh gewesen, in die Schule gehen zu dürfen.

Pfarrer Klaus Stolz und Pfarrer Klaus Huber richteten beide sehr emotionale und nachdenkliche Worte an die Absolventen.

Im Anschluss daran erhielten die Schülerinnen und Schüler dann ihre Abschlusszeugnisse ausgehändigt. Die drei Jahrgangsbesten wurden besonders geehrt und erhielten sowohl vom Elternbeirat als auch von der Stadt Bad Griesbach ein Geschenk, welches sie von der Elternbeiratsvorsitzenden und den beiden Bürgermeistern in Empfang nehmen konnten.

Für die musikalische Umrahmung der Feiern sorgten Michael Bichler an der Orgel bei der Feier der Klasse 9a und Michelle Harres mit der E-Gitarre im Anschluss bei der Verabschiedung der Klasse M10.

Klasse 9a

Klasse M10

Jahrgangsbeste 9a (v.l.) 3. Michael Bichler, 1. Viktoria Kemmer, 2. Rares Hobide

Jahrgangsbeste M10 (v.l.) 3. Michelle Harres, 1. Michael Huber, 2. Nadine Denk